Rückblick zum Steiermark-Frühling 2026

Steiermark-Frühling am Rathausplatz 2026. Nach wochenlangem schlechten Wetter und dunklen Wolken war gestern endlich ein Samstag mit blauem Himmel und Sonnenschein. Da liegt ein Ausflug in dien Wiener Innenstadt nah. Die Vorfreude auf Musik, gutes Essen und Steirische Lebenskunst war groß. Ein Info-Ausflug mit Mehrwert. Das Ziel unserer bevorstehenden Rathausplatz-Field-Study: Wo könnte die nächste Busreise hingehen, was sind die neuen interessanten Reiseziele für Gruppen in der Steiermark? Von der Votivgarage starten wir über den Sigmund Freud Park zu Fuß Richtung Rathaus. Die Votivkirche strahlt im Sonnenlicht. In der grünen Wiese haben es sich die Menschen gemütlich gemacht. Und was man in der schnelle beim Vorbeigehen sehen kann – viele wählten Picknick bei steirischem Weißwein. Die Veranstaltung zieht ihre Wellen. Weiter geht es Richtung Reichsratsstraße durch die Arkadengänge. Moment. Das fühlt sich an wie in Italien. Der geparkte Roller passt perfekt ins Bild, wäre da nicht das Wiener Kennzeichen.
Aber zurück in die Steiermark. Besser gesagt nach Wien zum Steiermark-Frühling. Es fehlen nur mehr hundert Meter und plötzlich schweift mein Blick. auf eine Strasse voller Busse. Da kann ich nicht vorbeigehen. Ein geparkter Konvoi an Reisebussen der feinsten Kategorie.
























Nach der Bus-Foto-Session geht es weiter, vorbei an geparkten Lieferwägen mit offenen Heckklappen, voller Weinkartons, schwer arbeitenden Steirer in ihrer Tracht beim Ein- und Ausräumen, Familien mit Kindern, viele in traditioneller und kreativ interpretierter Steirischer Montur. Ein Toilettenwagen. Den schickt der Himmel. Schnell hinein bevor es dann eng wird. Beim Rausgehen macht mich die Infrastruktur Dame etwas unsicher auf das Schild aufmerksam, 50 Cent. Oh das habe ich in der Eile übersehen, ich gebe ihr natürlich den Obolus, mit der verdienten Entschuldigung ich habe es tatsächlich übersehen. „Pecunia non olet“, Geld stinkt nicht, das sagten schon die alten Römer. Und recht hatten Sie. Bevor ich mein Kleingeld zusammenkratzen konnte, legte ein in voller Montur ausgestatteter Steirer, der den selben Weg hinter mir hatte wie ich, und es auch übersehen hatte, daß hier die Notdurft-Entledigungsstation berechtigterweise auch verrechnet wird, legt der Dame wohlwollend eine Euro Münze in die Hand, schaut zu mir und sagt „Bist eingladen“. Ich bedankte mich, sichtlich überrascht, gab der Dame meine Zeche auch noch und sie lächelte sich bedankend.
Jetzt stehe ich unmittelbar vor dem Eingang zum Rathausplatz. Von den Kulinarik Ständen, Musikkapellen, Bänken, Tischen und Wein- und sonstigen Verkostungen und Unterhaltungsoffensiven trennt mich jetzt nur mehr ein schwarzes Band auf verchromten Ständern. Dahinter ein einige Securitys. Das sieht aus wie am Flughafen. Assoziationen werden wach. Reisefrust statt Urlaubslust. Eine Schlange aus Menschen. Wir biegen um und gehen die Absperrung entlang in de Rathauspark wieder Richtung Burgtheater um von einem Seiteneingang hineinzukommen, vielleicht sieht es da besser aus. Vorbei an 10 Dixi Klos, ok für die Befriedigung elementarer menschlicher Bedürfinisse ist hier wirklich sehr professionell vorgesorgt worden. Hier versteht jemand den Zusammenhang zwischen Schilcherspritzer und Herausforderungen eines Toilettengang während eines Massenevents. Doch ich bin nicht hier um Studien über mobile Klos zu machen. Daher weiter Richtung Eingang, hindurch und vorbei an tausenden Menschen. Am Gehweg. In der Wiese. Auf den Bänken. Mit und ohne Weinglas. Überall Weingläser in den Händen der Besucher. Sie sind aber meistens leer. Die Gesichter rot. Die Stimmung entspannt und trotzdem hektisch. Komische Mischung. Jene die sitzen, sehen es gelassener. Die auf dem Weg zum Eingang gehenden sichtlich nervös. Aber doch mit Steirischer Gelassenheit. Ein paar Standln gibt es auch im Park außerhalb des Events. Styrassic Park, Herberstein. Tierskelette. Sand. Teilnahmekarten für Gewinnspiele. Das ist die Kinderunterhaltungsabteilung. Und kurz vor mir ein neuer Eingang. Neue Menschenschlangen. Neue Trachtenkombinationen. Ein sichtlich den Steirischen Wein genossen habender Lederhosenträger (vielleicht auf dem Rückweg vom Dixi Ko?) hat eine Idee. Er versucht sein Zutritts-Glück auf einem illegalen Weg. Und zwar seitlich vorbei am Haupteingang wo die Trachten-Lemminge Eintritt begehren. Über den Englischen Rasen mit Betretungsverbot, sich zwischen der Thuien-Hecke und der Statue von Angelo Soliman in den begehrten Eventbereich hineinzudrängen. Vorsichtig biegt er die Hecke auf die Seite. Spähend, was drüben in der anderen Sphäre passiert. Sein Oberkörper verschwindet hinter der Hecke. Man sieht nur mehr die Lederhose und seine Holzhackerschuhe. Plötzlich bekommt er Übergewicht, er verschwindet gänzlich in der magischen Sphäre. Und ein dumpfer Plumps mit danachfolgendem Juchitzer weist darauf hin, das dem Trachtensteirer sein nicht regelkomformer Plan aufgegangen ist.
Währenddessen laute Beschallung aus allen möglichen Lautsprecherboxen. Ein Konzert. Die Sängerin hört man zwar, aber man hört sie nicht. Man hört nicht, was sie singt. Nur die dumpfen Beats. Eines ist klar – das ist Austropop – oder das, was man heute darunter versteht. Ein unverständliches, lärmendes Austropop Derivat als Geräuschkulisse auf der Suche nach dem Zugang zum Steiermark-Frühling.
Endlich beim Burgtheater angekommen. Von der Wiener Ringstrasse bewegen sich Menschentrauben aus Straßenbahn und Zufahrtswegen Richtung Rathausplatz. Die Palästinenserdemo vor dem Parlament biegt in die andere Straße ein. Die Fronten begegnen sich nicht. Baufahrzeuge und irgendwelche Motocross Maschinen vor dem Café Landtmann. Erzberg Rallie oder so. Das Café Landmann wäre jetzt überhaupt eine gute Option. Direktes Sonnenlicht. Espresso. Sicher auch ein Mittagessen um 15:00 Uhr, das ich heute nicht hatte. Aber wir haben einen Plan. Und das Restaurant ist sowieso gesteckt voll. Also weiter.
Vor dem Haupteingang zum Steiermark-Frühling, der wieder mit Bändern abgesperrt ist, kommen die Menge zum Stehen. Wieder lange Schlangen. Einer raus, einer rein. Die Veranstaltung war ist zum letzten Platz voll. Eine Grüne Fahne weht. Der Rathausmann grinst hämisch vom Dach. Der Plan geht nicht auf. Und wo bekommen wir jetzt was zum Essen? Der Blick auf die Ringstraße links und rechts offenbart gefühlt kilometerlange Strecken ohne Restaurants, das Österreich Typische Mittagsmenü scheint in unerreichbare Entfernung gerückt. Und die Entscheidung ist klar. Heute wird das nichts mehr mit dem Steiermark Frühling.
Der Frühling ist da – auch in Wien. Daher halb so wild. Wir machen eine 180 Grad Wende, vorbei am Café Landtmann und der SPÖ Parteizentrale hinein Richtung Innenstadt, voller Leben und Restaurants. Was uns dort erwartet ist wunderbar, und auf jeden Fall ein eigenes Kapitel.
Die Erkenntnis für heute: Wir haben nicht mehr 2018. Die Zeiten haben sich geändert. Neue Zeiten erfordern Entscheidungen. Die unsere: Entweder Wien oder Steiermark. Beides geht nicht. Macht aber nichts. Wir leben in der Zeit des „Sowohl als Auch“, in den Parallel-Universen der modernen Gruppentouristik. Und das in der lebenswertesten Stadt der Welt.
