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Eindrücke beim Entdecken des neuen Marktraum am Naschmarkt in Wien

Gruppentouristen bewundern die Häuser am Naschmarkt

Das ist Glück. Ein Parkplatz direkt gegenüber vom Café Drechsler. Die Zeit läuft. Denn der Parkschein gilt nur eine halbe Stunde. Also schnell durch die Marktstände hindurch, den lagen Gang entlang. Links und rechts Früchte. Obst, Gemüse. Orangen, Bananen, über mir Dächer aus blau- und orangegestreiften Markisen. Vitrinen. Mortadella. Oliven, die so groß sind wie Tennisbälle. Gefüllt mit halben Schafen. Drehende Kebabspiesse, durch die ich einen Slalom machen muss, um nicht mit Ausprobier-Falafeln beworfen zu werden. Mozart-Tee. Klimt Kaffee. Schals mit Geigen drauf. Es riecht nach Zimt und Yogi Tee. Und Räucherstäbchen. Die Felle auf Neni’s Terrassensesseln sind noch leer und schimmern in der Sonne. Es öffnen sich die Markisen nach einem elendig langen Marathon durch die Spezereien des Orients und Okzidents. Es tut sich das nächste Level auf. Die Ökomarkt Abteilung. Bauern aus den Vierteln des Landes. Waldviertler Honig. Weinviertler Schnaps. Industrieviertler Verkäufer. Ein Bierhaus. Das ist neu. Und doch so alt. Zwei Bierzeltler sitzen beim Frühschoppen. Ohne Tracht und Pelz. Aber in der Sonne. Mit einem Krügerl. Links von mir duftet es nach Flieder. Er wirkt authentisch. Sicher Weinviertler Flieder. In einem Weissen Farbkübel aus dem Industrieviertel. Stillos und doch authentisch liebenswürdig. Auf einem blau karierten Tischdeckerl. Erdige schwielige Hände einer alten Moidl. Das kann man nicht faken. Und die Bauernstände sind voll geladen, mit Allem was das Land um diese Zeit hergibt. Die älteren Herrschaften nehmen das Angebot dankbar an und auch paar Junge Frühaufsteher. Was in diesem Moment jedoch meine größte Aufmerksamkeit weckt, ist der neue Marktraum direkt vor mir und zwischen Bierhalle und Wagner-Häusern.

 

Wie sieht der neue Marktraum in Wien aus?



Es ist mehr eine viereckige Holzkiste, aber schön dezent im Naschmarkt Grün und viel Glas, eigentlich gar nicht störend oder Stilbrechend, sondern fast so als ob sie immer schon da war. Nur eben neu. Trotz des schlichten und modernen durchaus gelungenen
Designs wirkt es wie immer schon dabei gewesen zu sein. Die Neugier treibt mich direkt hinein, die hohen Glastüren erinnern mich an die in einer Bankfiliale oder eines Baumarkts. Und doch schön. Keine Tonnenschweren Flügeltüren mit Metallknauf, so groß wie Wassermelonen und so kalt wie Winterschnee. Einfach hineingleiten in den Marktraum. Und genießen. Es duftet nach frischem Brot, Kaffee, mattes Licht scheint durch die großen Fenster, man fühlt sich wie in einer anderen Stadt. Es erinnert an England oder Skandinavien. Schlichter Stil. Neu halt. Aber den eigentlichen Clou dieses neuen Marktraums am Naschmarkt habe ich noch gar nicht gefunden. Denn am Dach befindet sich eine Terrasse. Der Eingang ist versteckt. Das werde ich später machen. Mein eigentliches Ziel für heute ist der Flohmarkt. Da war ich schon lange nicht mehr.

Flohmarkt am Wiener Naschmarkt – was wird dort geboten?


Nach den bunten mediterran- indischen, souvenirverseuchten Markisenstandeln, dem Biomarkt und dem Marktraum also jetzt zum nächsten Level: Zum Flohmarkt. Und der ist so voll wie noch nie. Je schlechter die Wirtschaft, desto besser das Angebot. Direkt bei der U-Bahnstation Kettenbrücktengasse beginnt der Flohmarkt und erstreckt sich über etwa Hundert Meter. Er findet immer nur Samstags statt. Genauso wie der Bauernmarkt, der rund um den Marktraum nur am Samstag seine Zelte aufschlägt.

 



Die fixen Stände –  der Souvinershop verseuchte Markisenmarathon – sind hingegen die ganze Woche geöffnet. Was der Flohmarkt zu bieten hat, ist ein Open Air Museum mit den Anfängen im Mittelalter bis hin zur jüngsten Postmoderne. Ich versuche es auf die Reihe zu kriegen. Nein. Man kann es nicht auf die Reihe kriegen. Das ist der Moment, wo ungeschulte und nicht vorbereitete, unerfahrene Naschmarkt Besucher*Innen einen Kabelbrand, bedingt durch Informationsüberlastung bekommen. Denn auf dieser Fläche findet sich, angepriesen von Haupt- und Nebenberuflichen Händlern die gesamte Menschheitsgeschichte zum Angreifen, verhandeln und käuflich erwerblich. Aber eigentlich mag man das gar nicht kaufen. Also ich nicht zumindest. Die ganzen Geschichten, die da dran hängen möchte ich mir nicht ins Haus holen. Nicht mehr. Ich habe meinen Preis bezahlt. Manchmal werde ich rückfällig. Aber heute habe ich es durchgehalten. Ich gehe ohne Bücher, Klavier, Porzellanset, Musikinstrument, Illustrierte Wochenhefte oder sonstigen Krempel, der (meinen) Keller verstopft, wieder zum Auto und freue mich, daß es nicht abgeschleppt wurde.

Dacherrasse am Wiener Marktraum – ein Erfahrungsbericht

Aber Stop. Ich habe das Wichtigste vergessen! Die begehbare Dachterrasse am Marktraum wegen der ich eigentlich da war. Es ging ja gar nicht um den Flohmarkt. Jetzt fällts mir wieder ein. Also erneut durchs Gemenge, durch die Markisenstandeln vorbei an den Killer Oliven, durch die sich mit der Tageszeit zunehmende Menschenmenge (Parkticket nachgebucht) hindurch nach vorne Richtung Marktraum. Und kurz davor beginnt der eigentliche, Bustravel-relevante Teil der Geschichte: Eine REISEGRUPPE!
Da steht sie. Sie scharen sich hinter dem Weinviertler Flieder um eine eloquente Dame, die auf spanisch in ihr Mikrofon spricht, während die Gruppenteilnehmer in ihren gelb herausstechende Head-Sets artig den Ausführungen lauschen. Sie blicken in Richtung der Wagner Häuser hinter der Bierhalle, die in der Sonne leuchten in all ihrer Pracht. Und während die Reiseleiterin ins Mikrofon spricht, suche ich den Eingang zur Dachterrasse. Ich nehme den Lift. Die Tür geht auf. Und oben empfängt mich eine andere Reisegruppe. Aus Italien. Jemand lächelt mich an, dreht sich zu den Leuten und sagt „lassen Sie den Herrn bitte durch“. Ich lächle freundlich zurück, nicht ganz ohne schlechtes Gewissen, den Vortrag unterbrochen zu haben, aber das schlechte Gewissen hält nicht lang an. Zu schön ist der Anblick. Man steht auf dieser kunstvoll mit extensivem Grün durch Metall eingefasste und mit Gehwegen und Bänken versehene Dachterrasse wie auf einem erhöhten 10 Meter hohen Podest mit freiem Blick auf die Häuserzeilen und die Markisen des Naschmarkts. Ein erhebendes Gefühl. Überhaupt wenn die Sonne scheint und alles blüht. Sogar hier. Lavendel. Duftblumen und bunte Blüten mitten in der Stadt. Das rote Wien hat auch seine guten Seiten. Vor allem in Kombination mit kapitalistischer Jahrhundertwende-Architektur. 

Die Otto Wagner Häuser am Naschmarkt